Sanierung eines Flachdachs


Bei in die Jahre gekommenen Flachdächern, ungenügender Dämmung oder bei schlechter Verarbeitung der Materialien entstehen bis tief ins Gebäude hinein Schäden. Eine Sanierung des Flachdachs ist dann dringend notwendig.


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Was ist bei der Flachdach­sanierung wichtig?

Dichtig­keit ist wohl eines der entschei­dendsten Kriterien bei einem Flach­dach. Da Wasser und Schnee nicht wie bei einem Steil­dach natürlich ab­fließen können, sondern zwangs­weise auch länger auf der Dach­fläche stehen, muss die Ab­dichtung kompromiss­los intakt sein. Des­wegen haben Flach­dächer eine Dachab­dichtung und keine Dach­deckung wie das Steil­dach. Bei in die Jahre gekommenen Flach­dächern oder bei schlechter Verar­beitung der Materialien ent­stehen Undichtig­keiten, die bis tief ins Gebäude hinein Schäden verur­sachen können. Eine Sanierung des Flach­dachs ist dann dringend not­wendig – wobei beispiels­weise die Wahl der Abdichtungs­bahnen zweit­rangig ist. Denn sowohl Bitumen, PVC-Bahnen oder FPO leisten ihren Dienst, wenn sie fach­gerecht verlegt sind. Ent­scheidend ist dabei eher der Preis. Eine mehr­lagige Bitumen­bahn kostet beispiels­weise mehr als eine ein­lagige PVC-Bahn.

Auch die Dämmung des Flach­dachs spielt eine große Rolle beim Sanieren. Die alten Dämm­schichten sind oft durch einge­drungenes Wasser beschädigt oder ent­sprechen nicht mehr den aktuellen Standards der Energie­einsparverordnung (EnEV). Gemäß der EnEV müssen alle Gebäude­teile Richt­werte und Energieeffizienz­kriterien einhalten beziehungs­weise müssen die Komponenten nach vorge­schriebenen Zeiten erneuert und ener­getisch saniert werden. Daraus ent­stehen zwar viele Vor­schriften, doch lang­fristig betrachtet werden unsere Gebäude so wesent­lich effizienter, klima­freundlicher und nach­haltiger. Deswegen ist es auch bei der Sanierung eines Flach­dachs wichtig gemäß der EnEV zu sanieren. Hierfür gibt es auch ent­sprechende KfW-Förder­ungen, die es zu nutzen lohnt.

Welche Arten und Nutzungen von Flach­dächern gibt es?

Woher kommt das Flachdach eigentlich? Anders als in Europa gibt es etwa in Amerika oder Asien schon seit mehreren tausend Jahren Gebäude mit flachen Dächern. Um auch bei uns in Mittel­europa erfolg­reich zu sein, musste sich das Flach­dach jedoch erst an Klima, Wetterer­eignisse, Jahreszeiten­extreme, Bau­materialien und Bau­stile anpassen. Während der Renaissance im 14. und 15. Jahr­hundert ent­standen in Italien Schlösser mit Flach­dächern, die als Garten­anlagen genutzt wurden – nach dem Vor­bild der Antike. Ab Mitte des 19. Jahr­hunderts, zur Barock­zeit, zog diese Idee der Gärten auf den flachen Dächern auch in anderen Teilen Mittel­europas ein. Doch mit den neuen Gebäude­formen der Industria­lisierung wurde dann das Flach­dach aus Eisen­beton und mit viel Stahl auf großen Hallen gebaut. Auf Wohn­häusern das Flach­dach als Dach­terrasse zu nutzen brachte erst der avantgar­distische Architekt Le Corbusier im 20. Jahr­hundert wieder in Mode. Heute ist dies eine gängige Methode, um den Wohn­raum von Dach­geschossen zu erweitern. Dafür werden mancher­orts mittels vorge­fertigter Module sogar Steil­dächer zu Flach­dächern aufge­stockt.  

Heute haben alle Flachdach­arten gemein, dass sie nur um weniger als 5° geneigt sein dürfen, um die Bezeichnung Flach­dach zu verdienen.  

Grund­sätzlich werden Flach­dächer in drei verschiedene Nutzungs­kategorien einge­teilt:

1. Nicht genutzte Flach­dächer – beispiels­weise auf Industrie­hallen oder manchen Hoch­häusern

Personen halten sich auf diesen Dächern nur auf, wenn sie Wartungen, Instand­haltungen oder Reinigungs­arbeiten durch­führen. Denn meist sind auf nicht genutzten Dach­flächen Klima­geräte, Rauch- und Wärmeabzugs­anlagen oder Tageslicht­systeme wie Licht­bänder und Licht­kuppeln verbaut. Natürlich müssen hier entsprechende Sicherheits­standards einge­halten werden, etwa die Durchsturz­sicherheit bei Ober­lichtern. Für die Dachab­dichtung gibt es sogar eine spezielle Norm für nicht genutzte Dächer, die DIN 18531. 

2. Genutzte Flach­dächer – etwa durch Dach­terrassen, Park­decks oder Grünan­lagen

Sobald Personen oder Fahr­zeuge sich auf Flach­dächern bewegen, sind nicht mehr nur die Dichtig­keit, die Ent­wässerung und Durchsturz­sicherheit wichtig, sondern auch ein sicherer Boden­belag, etwa aus Kies, Stein­platten oder Holz­dielen. Das wirkt sich natürlich auch auf die darunter­liegende Dämmung aus, die unter dem Gewicht der Boden­materialien und des Verkehrs nicht nach­geben darf. Zudem spielt es für den Dachauf­bau bei genutzten Flach­dächern – und dement­sprechend auch für die Sanierung – auch noch eine Rolle, ob die darunter­liegenden Räume beispiels­weise als Wohn­räume oder als offene Park­decks genutzt werden.

3. Begrünte Flach­dächer – beispiels­weise Gärten

Je nach Intensität der Begrünung unter­scheidet man hier nochmals zwischen Extensiv­begrünung, einfache Intensiv­begrünung und Intensiv­begrünung, bei denen der Schicht­aufbau jeweils ganz genau vorge­schrieben ist. 

Gebäude­arten, die besonders häufig mit Flach­dächern ausge­stattet sind, sind etwa Garagen, Park­häuser, Industrie- und Produktions­hallen, Hoch­häuser oder öffent­liche Bauten wie Konzert­häuser, Theater, Verwaltungs­gebäude oder Museen. Auch im privaten Wohnungs­bau führt ein Trend dank Niedrigenergie­häusern zum Flach­dach.

Teil­bereiche der Flachdach­sanierung

Dämmung des Flach­dachs

Mit einem Flach­dach ist jede Dämmungs­art, egal ob Hart­schaum oder weiche Dämmung verein­bar. Je nach Nutzungs­art des Flach­dachs, persön­licher Ein­stellung zu Nachhaltig­keit, Präferenzen der aus­führenden Firma und Kosten­rahmen wird sich für die passende Material­kombination ent­schieden. Dabei müssen vor allem die Wärmedämm­werte und die iso­thermen Werte beachtet werden, um das Flach­dach der Gebäude­nutzung ent­sprechend auszu­statten. Eine groß­flächige Sanierung ist daher oft sinn­voller als die Aus­besserung einzelner Leck­agen oder mangel­hafter Klein­stellen. Auf diese Weise wird das Dach kein Flicken­teppich, bei dem die gleichen Probleme immer wieder auf­treten. Zudem muss Wasser auch nicht immer genau dort austreten, wo es ein­tritt. Das bedeutet bei stückchen­weiser Aus­besserung schad­hafter Stellen bleiben Leckagen möglicher­weise unentdeckt.

Ab­dichtung des Flach­dachs

Über der Dämmung liegt die Ab­dichtung des Flach­dachs. Grund­sätzlich stellt sich die Frage, ob Bitumen oder Kunst­stoff die Ab­dichtung übernehmen soll. Das hängt natürlich wesentlich von der Nutzung­sart der Dach­fläche ab. Bitumen hat den Vorteil, lange beständig zu bleiben. Alle­rdings sind mehrere Lagen der Bitumen­bahn nötig. Wirtschaft­licher hingegen ist das Ab­dichten mit PVC- also Kunststoff­bahnen, die nur einlagig verlegt werden und so Material, Arbeits­zeit und Gewicht ein­sparen. Auch hier gibt es eine Flüssig­variante.  

Ent­wässerung des Flach­dachs

Ferner muss die Ent­wässerung auf dem Flach­dach immer intakt sein, da stehendes Wasser auch bei noch so guter Ab­dichtung irgendwann Schäden anrichtet. Die Dach­neigung von weniger als 5° löst dieses Problem nicht von selbst. Sanieren Sie das Flach­dach ohnehin, lohnt es sich, das Entwässerungs­system genau zu über­prüfen und gegebenen­falls zu opti­mieren. Doch wie optimiert man die Ent­wässerung des Flach­dachs? Beispiels­weise durch eine Freispiegel­entwässerung oder eine Druckspiegel­entwässerung. Diese Systeme leiten Wasser an mehreren Stellen effektiv durch Fall­leitungen vom Dach, die entweder innen­liegend und somit un­sichtbar oder außen­liegend etwa als Notent­wässerung ausgeführt werden.

Photo­voltaik und Solar­energie auf dem Flach­dach

Eine Sanierung bietet eine hervor­ragende Gelegen­heit, um auf dem Flach­dach für Strom oder Wärme­energie zu sorgen. Photo­voltaik- sowie Solarthermie­anlagen lassen sich für jede Gebäude- und Nutzungs­art dimensionieren und einfach nach­rüsten.  

Tages­licht und Lüftung auf dem Flach­dach

Flach­dächer sind prädes­tiniert dazu, um Tages­licht und Frisch­luft in die darunter­liegenden Räume zu bringen. Sind bereits Ober­lichter wie Flachdach Fenster, Licht­kuppeln, Flachdach Ausstiege oder Licht­bänder vorhanden, sollten diese bei einer Flachdach­sanierung unbedingt von einem Fachmann überprüft werden. Sind die Ober­lichter noch dicht? Ist die Verglasung noch intakt oder vielleicht porös, vergilbt oder blind? Entsprechen die Tageslicht­elemente den Energie­standards, die bei der Sanierung nun angesetzt werden? Ist dies nicht der Fall, können durch die Ober­lichter Schwach­stellen auf dem Dach entstehen, die alle positiven Ergebnisse der Flachdach­sanierung wieder zunichte­machen.  Doch in puncto Tageslicht­systeme: Was ist bei der Flachdach­sanierung wichtig? Dieser Frage widmen wir einen eigenen Absatz.

Sanierung von Ober­lichtern auf dem Flach­dach

Die im Gebäude sicht­bare Innenseite der Dach­aussparung muss feuerfest verkleidet werden, da der Bohlenkranz selbst brennbar ist. Außen muss eine zusätzliche Kies­schicht um das Ober­licht gelegt werden. Darunter muss rund um das Ober­licht herum eine 50 Zentimeter breite feuer­feste Dämmung verlegt werden. Auf diese Weise entsteht jedoch zwischen Dämmung und Bohle eine Wärme­brücke, die zu Undichtig­keit und Energie­verlust führen kann.

Fazit: Flachdach­sanierung als Möglich­keit zu Reparatur und Opti­mierung

Ihr Flachdach zu sanieren ist also nicht nur ein not­wendiges Übel, sondern bietet gleichermaßen viele Möglich­keiten, die Gebäude­performance, das Energie­management und die Tageslicht­ausbeute zu optimieren. Wichtig dabei ist es, auf Normen wie die DIN18234 zu achten und groß­flächig zu denken. Damit ersparen Sie es sich, nach der Sanierung mehr Ärger zu haben als zuvor, etwa durch weiterhin unent­deckte Leckagen oder durch Probleme mit Brandschutz­vorschriften. Es lohnt sich deshalb auch immer, mit Fach­firmen und Sanierungs­spezialisten zusammen­zuarbeiten, die sowohl in der Verar­beitung als auch im Produkt­portfolio ideal auf Sanierungs­fälle ausgelegt sind.