Worin unterscheidet sich eigentlich ein Wohnmobil vom Wohnwagen?


Technik, Flexibilität, Führerschein, Kosten und Materialien – all das sind Kategorien, die näher betrachtet werden sollten, wenn es um Wohnmobile oder Wohnwagen geht. Der Beitrag fasst die wichtigsten Fakten der entscheidend Kategorien für Sie zusammen.


Lesezeit: 11:00 Min.

Wo liegt der Unterschied zwischen Wohnmobil und Wohnwagen?

Die Unterschiede auf einen Blick

Kategorie 1: Technische Unterschiede

Starten wir mit der ersten Kategorie: den technischen Details der beiden Varianten. Gerade im Urlaub möchten Sie etwas erleben: dafür sind Wohnmobile perfekt ausgestattet, denn die meisten besitzen einen nützlichen Allradantrieb, der gerade für unwegsame Gebiete mit vielen Bergen oder gar Sand perfekt geeignet ist. Außerdem ist das Ziel eines Wohnmobils ganz klar: permanent mobil sein. Genau das ermöglichen viele Features eines Wohnmobils. Neben im Fahrzeug integrierten Frischwasser- und Abwassertanks können sich Wohnmobil-Fahrer standardmäßig über eine Stromquelle, welche 12V für normale Haushaltstechnik liefert, freuen. Diese ist meist am Akku des Wohnmobils angeschlossen. Moderne Wohnmobile bieten außerdem die Möglichkeit, eine Stromquelle mit bis zu 230V Stromspannung nachzurüsten. 
Miteinander verglichen, gewinnt das Wohnmobil gegenüber dem Wohnwagen. Denn ein Wohnwagen ist auf eine externe Stromquelle angewiesen, da er keinen Zugang zum Akku des Wagens besitzt. Der geliebte Kaffee am Morgen oder die leckere Kartoffelsuppe am Mittag müssen mit Hilfe eines Gaskochers aufgewärmt werden. 
 

Kategorie 2: Flexibilität

Freiheit während des Urlaubs – im Hinblick auf die technischen Features gewinnt aufgrund der hohen Unabhängigkeit von externen Energiequellen und der besseren Mobilität also haushoch das Wohnmobil. Doch das bedeutet nicht gleich, dass der Wohnwagen nichts zu bieten hat. Schaut man nämlich auf den Punkt der Flexibilität, spielt der Wohnwagen ganz vorne mit. Denn Tagesabflüge in Stadtzentren, in Nationalparks oder an Strände sind mit einem Wohnwagen gar kein Problem, da Sie diesen einfach abkoppeln und sich auf den Weg machen können. Am Abend brauchen Sie dann jedoch einen Stellplatz. Campingplätze erlauben oft aufgrund der Länge der Gefährte keine PKWs mit Anhänger, sodass hier häufig eine längere Recherche vorausgehen muss als beispielsweise mit einem Wohnmobil. 

In dieser Kategorie gibt es allerdings einen deutlichen Gewinner: Campervans. Diese Form eines Wohnmobils überzeugt mit Blick auf Ausflüge und Stellplätze ganz klar. Aufgrund der Größe sind sie bei auf allen Camping- und Stellplätzen erlaubt, können aber auch problemlos für eine Stadterkundung oder einen kleinen Trip genutzt werden. Die Unterschiede und Vorteile dieser Variante haben wir für Sie in einem spannenden Beitrag zusammengefasst. 
 

Kategorie 3: Führerschein

Bevor Sie sich für ein Urlaubsgefährt entscheiden, müssen Sie sich noch eine weitere wichtige Frage stellen: Brauche ich einen bestimmten Führerschein, oder reicht mein Führerschein aus? In Deutschland ist das ganz klar beantwortet: Laut des Kraftfahrt-Bundesamts reicht die Führerscheinklasse B für Kraftfahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse (zGM) von 3500kg, die maximal acht Sitzplätze und einen Fahrersitz haben. Mit dieser Führscheinklasse können auch Kraftfahrzeuge mit Anhänger gefahren werden, sofern die Kombination von PKW und Anhänger die zulässigen 3500kg nicht überschreitet. Das bedeutet also, dass für ein Wohnmobil mit einer zGM bis 3500kg nur der Führerschein B benötigt wird. Das Gleiche gilt auch für Autos mit angekoppeltem Wohnwagen. Übersteigt das Gesamtgewicht allerdings diese 3500kg, treten spezielle Anhängerregelungen in Kraft und ein weiterer Führerschein muss erlangt werden. Mit Erlangen der Führerscheinklasse B96 können PKW-Anhänger Kombinationen mit einer zGM von 4250kg gefahren werden. 
Bei Vermietungen wird allerdings meistens darauf geachtet, dass die zulässige Gesamtmasse nicht überschritten wird und die Urlauber einfach mit der Führerscheinklasse B zurechtkommen. Planen Sie den Kauf eines Wohnmobils oder Wohnwagens, sollten Sie natürlich unbedingt auf das Gewicht achten.

Kategorie 4: Tempo / Fahrweise / Parkregeln

Kommen wir zur nächsten Kategorie: der Geschwindigkeit der Fahrzeuge. Wir haben bereits gelernt, dass PKW-Wohnwagen-Kombinationen ab einem Gewicht von 3500kg eine Führerscheinerweiterung benötigt wird. Dies liegt daran, dass die Handhabung eines Anhängers von Vielen als schwieriger empfunden wird und in der Fahrschule besonders Parken, Rückwärtsfahren und das Fahren um enge Kurven gelernt werden muss. Wohnwagen sind in ihrer Fahrweise sehr gewöhnungsbedürftig im Vergleich zu Wohnmobilen. 
Schaut man auf die Geschwindigkeitsbegrenzungen, so gibt es für Wohnmobile bis 3500kg meist keinerlei Eingrenzung. Für Fahrzeuge mit Anhänger gibt es je nach Land bestimmte Einschränkungen. Hier wird in zahlreichen Ländern auf eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 70 bis 100km/h gesetzt.  

Interessant zu wissen: Für beide Fahrzeuge gibt es in Deutschland die Regelung, dass zur Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit bis zu 10 Stunden am Straßenrand oder öffentlichen Parkplätzen geparkt und übernachtet darf.
 

Kategorie 5: Kosten

Eine wesentliche Frage bei der Entscheidung, ob es ein Wohnmobil oder ein Wohnwagen werden soll, ist natürlich die Frage nach dem Preis. Wohnwagen sind hier in der Regel günstiger, da sie nur an bereits vorhandene PKWs angekoppelt werden müssen und sie weder Motor noch Getriebe, usw. besitzen. Ganz anders sieht es beim Wohnmobil aus, welches ein Fahrerhaus besitzt, inklusive allem, was zum Fahren gebraucht wird: Motor, Getriebe, Lenkrad usw. Das macht Wohnmobile deutlich teurer. 
Auch sind die Erhaltungskosten bei Wohnwägen spürbar geringer. Zwar können Teile wie ein Blinker kaputt gehen, doch kein Motor oder eine Batterie wie bei einem Wohnmobil. 
Denken wir einmal an die Innenverkleidung der Fahrzeuge: Seitenwände und Innenverkleidungen, die aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) hergestellt werden, sind beispielsweise deutlich leichter und im Schadensfall kostengünstiger zu reparieren als Seitenwände aus Aluminium.
 

In der Reparatur können also auch Kosten gespart werden. Ein weiterer Pluspunkt für Wohnwagen ist die KFZ-Steuer, denn auch bei dieser muss mit einem Wohnwagen deutlich weniger als mit einem Wohnmobil gezahlt werden. Allerdings sind die Gebühren auf Mautstraßen für Fahrzeuge mit Anhänger meist höher.
Wie oben bereits erwähnt, sind Stellplätze für Wohnwägen deutlich schwieriger zu bekommen, und wenn ein Campingplatz diese doch einmal anbietet, dann sind diese merklich teurer als Stellplätze für Wohnmobile. 

Hier die Zusammenfassung: All diese Kosten müssen Sie in ihre Entscheidung mit einbeziehen:

  • Anschaffungskosten
  • Steuern
  • Erhaltungskosten
  • Reparatur 
  • Parkmöglichkeiten.
     

Kategorie 6: Materialien

Wie sich Geld in der Reparatur durch den Einsatz der richtigen Materialien sparen lässt, haben wir in der letzten Kategorie kurz angerissen. Doch was bedeutet das eigentlich? Und was ist dieses GFK, welches in der Reparatur so viel günstiger ist als vergleichbares Aluminium? 
Fangen wir ganz von vorn an: Vereinfacht gesagt, ist glasfaserverstärkter Kunststoff ein Verbundmaterial aus Glasfasern und einer Kunststoffmatrix. Dieser Verbund der beiden Materialien macht GFK zu einem sehr robusten, aber leichten Werkstoff und wird daher in vielen Anwendungsgebieten als Deckschicht von Sandwichelementen oder als Platten in der Wohnmobilbranche eingesetzt. GFK wird im Dach, in den Seitenwänden, dem Boden oder auch der Verkleidung der Einrichtung der Wohnwagen und Wohnmobile verwendet. Aber warum setzen Hersteller GFK dort gerne ein? Hagel, Witterung, Sonnenschein - ein Wohnmobil oder auch ein PKW mit Wohnwagen ist jeder Wetterlage ausgesetzt. Und genau das ist auch das Hauptargument für den GFK-Einsatz in dieser Branche, denn der Verbundwerkstoff GFK ist gegen Korrosion, Witterungseinflüsse wie UV-Strahlung und Hagel beständig.
 

Außerdem ist GFK in Wohnmobilen und Wohnwagen gegen Stoßwirkungen geschützt: Schrammt zum Beispiel mal ein Fahrradfahrer mit seinem Lenker die Seitenwand entlang, hat das wenig bis gar keine Auswirkung auf das GFK. Und wenn doch, lässt sich GFK wesentlich einfacher und kostengünstiger reparieren. Zur Reparatur der verschiedenen, im Fahrzeugbau verwendeten Materialien haben wir einen Beitrag geschrieben, der die Materialien übersichtlich vergleicht. 

GFK weist bei einem sehr geringen Gewicht eine hohe mechanische Festigkeit auf. Hierdurch kann also im Hinblick auf Benzinkosten Geld gespart werden, da Fahrzeuge mit GFK weitaus leichter sind als die Gleichen mit Aluminium oder anderen Metallen. Hinzu kommen eventuelle Prämien der Versicherungen, sollte das Dach des Wohnwagens oder Wohnmobils aus GFK sein. Sie sehen also, dass die Auswahl des richtigen Materials auch ein wichtiger Punkt im Hinblick auf die Kosten sein kann. 

Wie repariere ich Schäden an GFK-Platten?

Glasfaserverstärkte Kunststoffe sind sehr widerstandsfähig, dennoch sind Beschädigungen bei übermäßiger Beanspruchung oder im Falle eines Unfalles nicht auszuschließen. Ist noch keine Zerstörung der Sandwichstruktur nachzuweisen, lässt sich GFK gut reparieren. Erfahren Sie in diesem Whitepaper wie!

  • Was sind GFK-Platten?
  • Was sind die Vorteile von GFK-Platten?
  • Wie repariert man GFK-Platten?

Überblick Vor- und Nachteile Wohnwagen

Doch was spricht jetzt eigentlich für und was gegen die Variante des Wohnwagens? Das wohl offensichtlichste Argument für einen Wohnwagen ist, dass lediglich ein Anhänger gekauft werden muss und so deutlich günstiger in den Anschaffungskosten ist. Aufgrund der Tatsache, dass ein Wohnwagen keine eigene Technik besitzt, die bei anderen Kraftfahrzeugen in der Reparatur hohe Kosten verursachen kann, ist auch der Wartungsaufwand eines Wohnwagens deutlich geringer als bei einem Wohnmobil. Hinzu kommt, dass ein Wohnwagen am Urlaubsort einfach abgekoppelt werden kann. Das hat den Vorteil, dass Sie für Ausflüge oder für Einkäufe keinen zusätzlichen Mietwagen brauchen. Die Flexibilität und somit die Unabhängigkeit sind mit einem Wohnwagen also sehr hoch. Auch wird meist kein extra Führerschein benötigt, wenn die Gesamtkombination (PKW + Anhänger) nicht schwerer als 3500kg ist. 

Was spricht gegen einen Wohnwagen? Auch die Nachteile eines Wohnwagens sind ganz klar: Für Fahranfänger und ungeübte Fahrer ist das Fahren mit einem Anhänger deutlich schwieriger als das Fahren eines Wohnmobils. Hinzu kommt, dass falls die Kombination aus PKW und Wohnwagen schwerer als 3500kg ist, spezielle Anhängerverordnungen beachtet werden müssen und ein Zusatzführerschein erlangt werden muss.

Ein weiterer Nachteil eines Wohnwagens sind je nach Land eventuelle härtere Geschwindigkeitsbegrenzungen als bei Wohnmobilen. So kann es passieren, dass Sie manchmal an 70 km/h gebunden sind. Das größte Gegenargument für einen Wohnwagen: Die Suche nach einem Stellplatz, denn viele Campingplätze sehen die langen, unhandlichen Gefährte nicht gerne auf ihrem Gelände. Und wenn die Fahrzeug-Kombinationen erlaubt sind, dann ist es meist kostenintensiv.

Überblick Vor- und Nachteile Wohnmobil

Und in welchen Punkten ist das Wohnmobil dem Wohnwagen voraus? Und warum sollten Sie sich besser kein Wohnmobil kaufen? Ein Wohnmobil punktet eindeutig dadurch, dass es eine Komplettlösung, also Fahrzeug und Wohnraum in einem ist. Für ein Wohnmobil spricht offensichtlich die einfachere Fahrweise als mit einem Anhänger. Zudem sind Sie in den meisten Ländern nicht an Geschwindigkeitslimits gebunden und können so ihren Urlaub ohne Einschränkungen genießen. Entscheiden Sie sich für ein Wohnmobil, dann können Sie sich über einen hohen Wohnkomfort erfreuen und mitreisende Personen können sich während der Fahrt im Wohnraum aufhalten. Auch sind hier die Kosten für Maut deutlich geringer. 
Gegen ein Wohnmobil spricht allerdings, dass die Komplettlösung entsprechend teurer in der Anschaffung ist. Auch ist ein Wohnmobil in der Instandhaltung und bei der Steuerzahlung deutlich teurer. Dagegen spricht auch die geringere Flexibilität als mit einem Wohnwagen, da für Ausflüge und Einkäufe ein extra Mietwagen angeschafft oder die öffentlichen Verkehrsmittel genutzt werden müssen. Wie für die Lösung des Wohnwagens gilt auch für das Wohnmobil, dass ein zusätzlicher Führerschein angeschafft werden muss, wenn die zulässige Gesamtmasse 3500kg übersteigt. 

Fazit: Wohnmobil oder Wohnwagen?